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Der julianische Kalender


Gaius Julius Caesar (100-44 v. Chr.)

Der Älteste noch in Gebrauch befindliche Kalender

Der julianische Kalender ist noch heute verbreitet und aktiv in Gebrauch. Die russisch orthodoxe Kirche hat die Kalenderumstellung 1918 vom julianischen auf den gregorianischen Kalender nicht nachvollzogen und benutzt nach wie vor den julianischen Kalender, den Gaius Julius Caesar (13.07.100 bis 15.03.44 v. Chr.) 45 v. Chr. im Römischen Reich einführte.

Ursprünglich bezogen die Römer ihre Zeitrechnung auf das Jahr 753 v. Chr.. Das Gründungsjahr der Stadt Rom. Der römische Kalender war ein Sonnenkalender mit 355 Tagen und Schaltjahren. Das Erscheinen des Neumondes war der Beginn eines neuen Monats. Vier aufeinanderfolgende Jahre hatten die Längen 355, 377, 355, 378 Tage, zusammen also 1.465 Tage. Vier Sonnenjahre haben allerdings nur 1.461 Tage. Der Kalender war ungenau und mußte laufend den Gegebenheiten der Natur angepaßt werden. Am Ende des 2. Punischen Krieges (218 - 201 v. Chr.) eilte der römische Kalender dem Verlauf der Sonne um vier Monate voraus. Trotz diverser Korrekturen war im Jahre 46 v. Chr., kurz vor der Einführung des julianischen Kalenders, der römische Kalender den Jahreszeiten immer noch um 90 Tage voraus.

Der julianische Kalender

Gaius Julius Caesar, mit dem die römische Republik endete und die Herrschaft der Caesaren ihren Anfang nahm, beauftragte den im ägyptischen Alexandria wirkenden Astronomen Sosigenes, einen genaueren Kalender zu entwerfen. Caesar hatte wohl die Vorzüge des ägyptischen Sonnenkalenders während seiner eigenen Zeit in Ägypten zu schätzen gelernt. Am 1. Januar 45 v. Chr. führte Caesar im Römischen Reich, den von Sosigenes entwickelten und nach Julius Caesar benannten julianischen Kalender ein.

Als julianisches Datum (oder julianischen Tag) wurde der 1. Januar 4713 v. Chr. bestimmt. Bei dieser Zählung werden die Tage fortlaufend gezählt, immer um 12 Uhr Weltzeit beginnt ein neuer Tag. Beispielsweise hat der 1. Januar 1975 das Datum 2.442.414. Vorteilhaft ist neben der Möglichkeit des Vergleichs mehrerer Zeitangaben die einfache Berechnung des Wochentags. Dividiert man das julianische Datum durch sieben, so erhält man keinen Rest, wenn es ein Montag ist, den Rest 1, wenn es ein Dienstag, 2 bei Mittwoch usw.

Das julianische Kalenderjahr besteht aus den 12 uns vertrauten Monaten Januar, Februar, März, ... Jeder Monat hat 30 bzw. 31 Tage außer der Februar. Er dauert alle vier Jahre 29 Tage lang (Schaltjahre), sonst 28. Das julianische Kalenderjahr besteht somit aus 365 Tagen. Die wichtigste Neuerung war die Einführung einer Schaltregel. Auf 3 Gemeinjahre mit je 365 Tagen folgte ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Die Bindung der Monate an die Mondphasen wurde aufgehoben. Das mittlere julianische Kalenderjahr hatte also 365.25 Tage und war um 0.00778 Tage länger als das tropische Jahr. Im 16. Jahrhundert betrug die aufgelaufene Differenz bereits 10 Tage.

Der julianische Kalender verbreitete sich rasch in Europa und hielt sich - von kleineren Korrekturen abgesehen - bis zum 4. Oktober 1582. Danach folgte der gregorianische Kalender, den wir heute noch benutzen. Der gregorianische Kalender ist lediglich eine Weiterentwicklung des julianischen Kalenders durch Papst Gregor XIII (1572-1585).

Die Differenzen zwischen dem julianischen Kalender und den Jahreszeiten betrug im 16. Jahrhundert 10 Tage. Verglichen mit dem römischen Kalender eine ungeheuere Präzision. Auf dem Konzil zu Konstanz (1414) hat man nicht nur Jan Hus verbrannt, sondern man beschloß auch daß eine Kalenderreform her muß. Das Konzil zu Triest (1545) bestätigter diesen Beschluß.

Papst Gregor XIII (1572-1585) beauftragte namhafte Astronomen den julianischen Kalender zu optimieren. Am 04. Oktober 1582, nach dem julianischen Kalender, begann in Europa die Umstellung auf den gregorianischen Kalender. Dem 04. Oktober 1582 folgte unmittelbar der 15. Oktober 1582, allerdings nach dem neuen, gregorianischen Kalender. Damit wurden die bis dahin aufgelaufenen Diffferenzen zum Sonnenjahr ausgeglichen.

Die Kalenderumstellung wurde aufgrund von politischen und religiösen Differenzen nicht gleichmäßig vollzogen. Die katholischen Gebiete folgten mehr oder weniger schnell der päpstlichen Aufforderung. Die protestantischen Gebiete natürlich nicht. In Teilen Europas behielt der julianische Kalender bis in 20. Jahrhundert seine Gültigkeit.

Ab 1583 existierten somit in Europa im Wesentlichen zwei Kalendervarianten. In allen katholischen Ländern wurde der Kalender von Papst Gregor (gregorianische Kalender) verwendet, anderen Ländern, wie z. B. England, oder die protestantischen Gebiete des Deutschen Reiches benutzten den alte julianische Kalender von Gaius Julius Caesar.

In den UNIX Computersystemen haben die Angelsachsen Ihre Kalenderumstellung dokumentiert. Unter UNIX gibt es ein Dienstprogramm Namens - cal -. Das Dienstprogramm gibt den Kalender des aktuellen Monats wieder. Man kann aber beim Aufruf des Programms Monat und Jahr als Parameter übergeben. Übergibt man an das Programm den September 1752 so sieht man, daß dort 11 Tage fehlen. Diese 11 Tage resultieren aus der Umstellung vom julianischen auf den gregorianischen Kalender.

Nach heutigen Maßstäben herrschte damals ein vollkommenes Kalendercaos. Auf engsten Raum existierten 2 unterschiedliche Kalendersysteme. Nachfolgend einige ausgewählte Termine der Umstellung vom julianischen auf den gregorianischen Kalender.

GebietUmstellungsdatum
Spanien, Portugal, die katholischen Teile Italiens und Polens4/15. Okt. 1582
Augsburg13/24. Feb. 1583
Trier4/15. Okt. 1583
Bayern, Freising, Eichstätt, Regensburg, Salzburg5/16. Okt. 1583
Köln3/14. Nov. 1583
Preußen22. Aug./2. Sept. 1612
Evangelische Teile des Deutschen Reichs, Dänemark, Norwegen18. Feb./1. März 1700
Russland, ohne die russisch orthodoxe Kirche31. Jan./14. Feb. 1918
Griechenland15. Feb./1. März 1923
Griechisch orthodoxe Kirche10. März/24. März 1924
Türkei1927
Die erste Zahl ist das julianische Datum, nach dem Schrägstrich folgt das gregorianische Datum der Umstellung.

Das Rätsel der 13 Tage

Die 13 Tage Unterschied zwischen dem 25. Dezember (Weihnachten in Deutschland) und dem 7. Januar (Weihnachten in Russland) ist genau die gleiche Diskrepanz wie die zwischen dem 25. Oktober 1917, dem bekannten Datum der Oktoberrevolution, und dem 7. November 1917, dem Tag an dem die Oktoberrevolution nach heutiger (gregorianischer) Zeitrechnung begann.

Nach alter byzantinischer Weltära beginnt am 01.01.2007 das Jahr 7.515 seit der Erschaffung der Erde. Diese Zeitrechnung wurde sorgsam von der russisch orthodoxen Kirche nach der Bibel berechnet und galt bis zum Jahr 1699.

Im Dezember 1699 beschloß Zar Peter I von der alten Zeitrechnung der russisch orthodoxen Kirche auf den julianischen Kalender umzustellen.

Die Umstellung auf den gregorianischen Kalender und die Überbrückung der Diskrepanz von 13 Kalendertagen zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender hat man in Russland nach der Oktoberrevolution nachgeholt, indem man auf den 31.01.1918 direkt den 14.02.1918 folgen ließ und so 13 Tage übersprang.

Die russisch orthodoxe Kirche aber bleibt bis heute bei dem alten julianischen Kalender.


Copyright © Natalia Markova

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