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Maria oder Anastasia

Anastasia Romanowa. Viertes von fünf Kindern des letzten russischen Zaren Nikolai II. und seiner in Deutschland geborenen Frau Alexandra. 1901 in St. Petersburg geboren, vierte Tochter des Zarenpaares nach Olga, Tatjana und Maria. Den vier Töchtern folgte noch 1904 der Thronerbe Alexej nach. Eigentlich war es der vorletzte Russische Zar, den nach Nikolai II. folgte sein Bruder Michael II. Seine Regentschaft dauerte allerdings nur 24 Stunden.

Im Februar 1917, auf dem Höhepunkt des 1. Weltkrieges, dankte Nikolai II., angesichts der sozialdemokratisch geführten, bürgerlichen Revolution, ab und wurde mit seiner Familie in Zarskoje Selo bei Petrograd (vormals: St. Petersburg) interniert. Nachdem im Oktober 1917 die Bolschweisten unter Lenin eine weitere Revolution auslösten und die sozialdemokratische Regierung und Alexander Kerenski stürzten, geriet die Zarenfamilie quasi in Staatshaft.

Im Frühjahr 1918, als die bolschewistische Regierung unter dem Druck einer Gegenrevolution von Monarchisten geriet, wurde die Familie über den Ural gebracht und schließlich in Jekaterinburg, im Haus des Kaufmannes Ipatjew unter schwere Bewachung gestellt. Dort lebten sie zusammen mit vier Bediensteten - dem Arzt Dr. Botkin, der Zofe Demidowa, dem Kammerdiener Trupp und dem Koch Charitonow.

Im Juli 1918 rückten eine monarchistisch gesinnte Armee zur Befreiung der Familie auf Jekanterinburg vor. Daraufhin liess Jakow Jurowski, der Chef der Bewachungseinheit, den Zaren, seine Frau, die fünf Kinder und die vier Bediensteten, in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 im Keller des Ipatjew-Hauses bringen. Dort wurde nach Verlesung einer kurzen Erklärung, elf Personen von ebensovielen Revolverschützen durch zahllose Kugeln erschossen und anschließend durch Bajonettstiche und Gewehrkolben furchtbar entstellt.

Die Leichen wurden, nachdem mehrere Versuche, sie gänzlich zu beseitigen gescheitert waren, einige Tage später in einem Wald bei Jekaterinburg verscharrt.

Im Sommer 1979 entdeckten ein Wissenschaftler und ein Filmemacher die Grabstelle, mußten das Geheimnis aber zunächst für sich behalten. Erst im Jahre 1991 erklärten sie, daß ihnen das Grab der Familie und der Diener bekannt sei. Umgehend wurden die Leichen exhumiert und in die Leichenhalle von Jekaterinburg gebracht. Die erste Untersuchung ergab, daß sich zwei Leichen nicht im Grab befanden, nämlich der Zarewitsch Alexej und eine der beiden jüngeren Töchter, entweder Maria oder Anastasia. Da die Forschungsmethoden unzureichend waren, wurde ein amerikanisches Spezialistenteam von Anthropologen durch Vermittlung des damaligen US-Außenministers James Baker hinzugezogen. Dieses Team identifizierte die jüngere der drei Töchter als Anastasia und erklärte, daß es Maria sei, die sich nicht im Grab befand. Dem widersprachen russische Wissenschaftler, die allerdings nicht über die exakten Auswertungsmöglichkeiten der Amerikaner verfügten. In einem britischen Labor wurden extrahierte DNS der Zarenfamilie mit der DNS lebender Verwandter - unter anderem einer Blutprobe von Prinz Phillip, der Ehemann der Königin von England, verglichen. Es wurde eine 99,99-prozentige Übereinstimmung erzielt - der höchst mögliche Wert. Damit stand zweifelsfrei fest, dass es sich um die Zarenfamilie handelt.

Der Ort, an dem sich Alexej und die vierte Tochter - ob nun Maria oder Anstasia - befinden, ist bis heute ungeklärt.

Nach langen Streitigkeiten zwischen St. Petersburg, Moskau und Jekaterinburg, einigte man sich schließlich darauf, die Zarenfamilie und die vier Bediensteten in einer gemeinsamen Gruft in St. Petersburg in der Kathedrale der Peter- und Paul-Festung beizusetzen, was am 17. Juli 1998, genau 80 Jahre nach der Erschießung geschah.

Seit 1992 ist Großfürstin Maria Wladimirowna Romanowa Oberhaupt des Russischen Kaiserhauses. Sie wurde am 23. Dezember 1953 in Madrid geboren und ist die einzige Tochter von Großfürst Wladimir Kyrillowitsch Romanow und Großfürstin Leonida Georgijewna (geborene Fürstin Bagration-Muchranskaja-Grusinskaja). Sie hat an der Universität von Oxford studiert. Neben Russisch beherrscht sie Englisch, Französisch und Spanisch, spricht und liest auf Deutsch, Italienisch und Arabisch. Ihr ständiger Wohnsitz ist Madrid. Maria Wladimirowna ist verheiratet mit Prinz Franz Wilhelm von Preußen.

Die Großfürstin Maria Romanowa kämpft seit mehreren Jahren um die Rehabilitierung der Zarenfamilie. Die Generalstaatsanwaltschaft von Russland hatte die Rehabilitierung von Zar Nikolai II. und seiner Familie bereits zweimal abgelehnt, da keine offiziellen Beschlüsse vorliegen würden, die bestätigt hätten, dass die Zarenfamilie Opfer von Repressalien waren.

Russlands Generalstaatsanwaltschaft hat am 21. August 2007 das Strafverfahren wieder aufgenommen, nachdem sterbliche Überreste bei archäologischen Ausgrabungen in der Nähe von Jekaterinburg gefunden wurden. Es wurden am 17. August 2007 der Staatsanwaltschaft 44 Knochenteile übergeben, die nahe der alten Koptjakowo-Landstraße bei Jekaterinburg entdeckt wurden. Darüber hinaus wurden sieben Zahnteile, drei Pistolenkugeln und Kleidungsreste gefunden. Es wird vermutet, dass es Überreste von den Zarenkindern Maria und Alexej sein könnten.

90 Jahre nach der Erschießung durch ein bolschewistisches Kommando hat der russische Oberste Gerichsthof entschieden, dass der letzte Zar und seine Familie -grundlos unterdrückt- wurden. Der russische Oberste Gerichtshof hat Zar Nikolaus II. zum Opfer der kommunistischen Ära erklärt. Das Gericht hat den letzten russischen Zaren 2008 rehabilitiert.

Die russisch-orthodoxe Kirche hatte die Zarenfamilie bereits im Jahr 2000 heiliggesprochen.

Weitere Infos:
Überreste von Zarenkindern durch DNS-Expertise identifiziert


De Zarenthron


Zar Nikolai II.


Die Zarenfamilie


Von links nach rechts:
Olga, Tatiana, Marie und Anastasia


Copyright © Natalia Markova

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