| Heilige Tatjana, Märtyrerin Überall in Russland gratuliert man am 25. Januar den Tatjanas. Eine Tatjana selbst aber hat unbedingt eine Pirogge zu backen, so will es die Sitte. Tatjana ist die weibliche Form des altrömischen Personennamens Tatius, dessen Herkunft und Bedeutung unbekannt ist. Am 25. Januar ist der Tatjana-Tag, der Namenstag aller Tatjanas. Die katholische Kriche feiert den Gedenktag am 12. Januar. Der Grund ist der Unteschied von 13 Tagen zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender. Die Heilige Tatjana war eine Märtyrerin und wurde in Rom um 222-235 unter Kaiser Alexander Severus geboren. Das Märtyrium Ihr Vater war Konsul in Rom. Sie selbst soll Diakonisse der römischen Kirche gewesen sein. Wegen ihres christlichen Bekenntnisses wurde sie vor den Kaiser gestellt. Mit ihm zusammen betrat sie einen heidnischen Tempel und brachte durch ihr Gebet die dort aufgestellten Götzenbilder zum Einsturz. Dann folgten furchtbare Torturen. Man schlug sie grausam ins Gesicht, mit Haken riß man ihr die Augen heraus, man band sie schließlich an einen Pfahl und schnitt ihr die Haut vom Kopf. Vergeblich überließ man sie dem Feuer und den wilden Tieren. Schließlich erlitt sie den Tod durch Enthauptung. Ihr Bild findet man auf Ikonen, so etwa im Ikonenmuseum von Recklinghausen, wo sie auf der Marienikone der iberischen Gottesmutter (Iverskaja) als rechte Assistenzfigur am Rande anzutreffen ist. Auch auf einer Ikone - Mariä Geburt - im selben Ikonenmuseum findet sie sich, zusammen mit anderen Heiligen. Die Szene ihrer Enthauptung ist dargestellt auf einer Miniatur des Menol. Basilius 11., 10. Jh., In der lateinischen, griechischen und slawischen Kirche wird sie hochverehrt. Schutzpatronin der Stundenten und der Moskauer Lomonossow Universität Der Name der Heiligen Tatiana ist unlöslich mit der Geschichte der russischen Wissenschaft und der Entwicklung der Hochschulbildung verbunden. Sie ist der -Schutzengel- der russischen Studenten. Am 25. Januar 1724 gründete Peter der Große in Sankt Petersburg die Russische Akademie der Wissenschaften, bei der bereits ein Jahr später eine Universität bestand. Dorthin wurde nach Absolvierung der Moskauer Slawisch-Griechisch-Lateinischen Akademie Michail Lomonossow (1711-1765), der talentierte Sohn eines Fischers aus Archangelsk und künftige große Gelehrte zur Fortsetzung seiner Bildung entsandt. In der Folgezeit erarbeitete Lomonossow den Entwurf der Moskauer Universität. Es war kein Zufall von Lomonossow, dass er gerade am 25. Januar 1755 der Zarin Elisabeth Petrowna, Tochter von Peter dem Großen, das Papier zur Gründung der Moskauer Universität zur Unterzeichnung vorlegte. Er wählte dazu den Namenstag seiner von ihm innig geliebten Mutter, die Tatjana hieß. Seitdem gilt die Heilige Tatjana als Beschützerin der Studentenschaft. Im Gebäude der Universität, unweit des Kremls, wurde sofort die Hauskirche zur Heiligen Tatjana eingeweiht. Schon im ersten Jahr des Bestehens der Universität führte es sich ein, dass die Studenten nach dem Gedächtnisgottesdienst in der Hauskirche eine Feier veranstalteten, bei der sie ihren Tempel der Wissenschaft und seine himmlische Beschützerin priesen. An der Feier nahmen die Professoren sowie die Stadtväter teil. Die Moskauer Universität war die in Europa erste Lehreinrichtung von rein wissenschaftlicher Ausrichtung, ohne eine theologische Fakultät. Neu war auch, dass es hier nicht nur Studenten der Vorlesungsbesuch erlaubt war, sondern auch allen, die es wollten, und dass man -um der Wahrheit willen- wissenschaftliche Debatten führen durfte. Das war ein neuartiges, demokratisches Projekt, das an der Moskauer Staatlichen Universität für immer das Fundament der Freidenkerei legte. Das Tatjana-Fest wurde in der Moskauer Universität selbst noch in der Sowjet-Epoche gefeiert, als mit vielen alten Traditionen gebrochen wurde. Allerdings geschah die Feier inoffiziell. Am 25. Januar war die Prüfungszeit bereits beendet, und die Studenten hielten es für eine Sünde, ein so wichtiges und für sie glückliches Ereignis nicht gebührend zu begehen. Heutzutage hat die Moskauer Universität die Tradition der Feier am Tatjana-Tag völlig wieder hergestellt. Link zur Moskauer Universität |